Ghosts 2018
Sissy Schneiders repräsentative Arbeitsweise in ‚Ghosts 2018‘, nämlich die Aneignung und künstliche Reproduktion von verwaisten Fotografien, die auf Flohmärkten gefunden wurden, ähnelt den Methoden vieler bildgenerierender KIs. Beide Ansätze nutzen vorhandenes Bildmaterial, um neue visuelle Realitäten zu schaffen. Diese Parallele wirft wichtige Fragen nach der Autorschaft, der Originalität und dem ethischen Umgang mit Bildern auf, die in Zeiten von KI-generierter Kunst immer relevanter werden. Vielleicht ist es auch der starke Versuch, Dinge sinnvoll zu machen und Kontext zu geben, sie in ein großes Ganzes einzubetten, weil das in ihrer Erinnerung nicht so ist. Diese Herangehensweise erinnert an Aby Warburgs „Mnemosyne Atlas“, in dem er versuchte, die Wanderung von Bildern und Symbolen durch die Kulturgeschichte nachzuvollziehen und so ein umfassendes Verständnis der menschlichen Erfahrung zu schaffen.