Chronos-Diplomarbeit
In der Arbeit Chronos werden die polyvalente Perspektive, welche die Aufhebung des einheitlichen Blickpunkts beschreibt, und die Simultandarstellung, eine anachronistische Darstellungen zeitlich oder räumlich nicht übereinstimmender Ereignisse in einem Bild, untersucht. Die Verwendung dieser Darstellungsformen rekurriert auf kunsthistorische Fragen des Kubismus und Futurismus. Diese Bildfragen bekommen durch die digitalisierte Bildproduktion und Distribution eine neue Relevanz. Die fotografischen Arbeiten entstehen aus einem Wechselspiel zwischen analogen und digitalen Methoden.
Die Ausstellungsansichten stammen aus der Ausstellung "Chronos" im Ausstellungsraum Glasmoog in Köln (Mai 2021). Die Hängung integriert viele weitere Fotografien, die während des Forschungsprozesses entstanden sind. Sie sind Teil einer großen Mindmap, die sich theoretisch mit den genannten Forschungsthemen auseinandersetzt.
Im Glasmoog (2021) zeigte sie ihre raumgreifende Installation „Chronos“ im Rahmen ihrer Diplom-Ausstellung und legte mit dem Katalog ihrer Theoriearbeit Künstlerische Forschung zu den Themen: Postfotografie, Simultandarstellung und polyvalente Perspektive (2021) einen Schwerpunkt auf die theoretische Auseinandersetzung. Für diese Arbeit wurde sie an der KHM von Johannes Wohnseifer, Dr. Lilian Haberer und Alex Grein mit der Note 1,0 und Auszeichnung gewürdigt. Inspiriert durch Chronofotografie, dekonstruiert Schneider lineare Zeitvorstellungen und schafft vielschichtige Erzählungen.² In ihrer Installation „Chronos-Forschungsstand“ (2020) erforschte sie die Simultandarstellung und die polyvalente Perspektive in der Fotografie erstmals. Die Überlagerung fotografischer Ansichten lädt zur simultanen Wahrnehmung verschiedener Zeitebenen ein.
Schneider nutzt Mindmaps, um Sinnzusammenhänge durch visuelle Elemente zu erforschen. Inspiriert von Charles Sanders Peirces Semiotik, untersucht sie die Rolle von Bildern in einer Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fiktion verschwimmen. Ihre Praxis ist geprägt von dem Bestreben, Sinnzusammenhänge herzustellen und neue Interpretationen zu ermöglichen.² „Die Grenzen zwischen Fotografie und digitaler Malerei verschwimmen zunehmend“, schreibt Schneider in ihrer Diplomarbeit.¹ Diese Verschmelzung spiegelt sich in ihren aktuellen Arbeiten wider, wie WHY SAD und Opening cracks, enclosing hells. Zuvor erhielt sie 2020 ein Stipendium der GEDOK SH in Lübeck, das mit der Ausstellung WHY SAD abschloss.
Ein wichtiger Aspekt ihrer Praxis ist ihr intuitiver Malprozess, der eng mit dem Unbewussten verbunden ist. Ähnlich dem automatischen Schreiben lässt sie sich von zufälligen Gesten leiten. Sie sieht in diesen Erscheinungen potenzielle Formen, wie bei der Pareidolie. Diese Anregungen werden durch malerische Eingriffe weiterentwickelt. Dieser Prozess ermöglicht es ihr, das Unbewusste einzubeziehen. Die Werke sind geprägt von einer surrealen Atmosphäre. Dieser Prozess ist in WHY SAD und Opening cracks, enclosing hells ebenfalls sichtbar.
Durch ihr Studium der Kunsttherapie hat sie Kenntnisse in psychodynamischen Prozessen erworben. In ihrer Hausarbeit „Welchen Nutzen und welche Funktionen können psychodynamisch orientierte Symbolisierungsprozesse für die Kunsttherapie bieten?“ (2022) analysierte sie die Bedeutung des Symbols in Therapie und Kunst. Diese Arbeiten haben ihr Verständnis für archetypische Muster geprägt. Die Visualisierung von Symbolen ist für sie ein Prozess der Selbstreflexion. Sie erkundet die Schnittstellen zwischen persönlicher Erfahrung, kollektivem Unbewussten und digitaler Technologie.
¹ Sissy Schneider, Künstlerische Forschung zu den Themen: Postfotografie, Simultandarstellung und polyvalente Perspektive, Diplomarbeit, Kunsthochschule für Medien Köln, 2021, S. 67.
² Ebd., S. 45.
Moonboat
Digitale Collage
2021
ENG
The work Chronos examines the polyvalent perspective, which describes the abolition of the uniform point of view, and the simultaneous representation, an anachronistic representation of temporally or spatially incongruent events in a picture. The use of these forms of representation refers back to art-historical questions of Cubism and Futurism. These pictorial questions take on a new relevance through digitalized image production and distribution. The photographic works are the result of an interplay between analog and digital methods.
The exhibition views are from the exhibition "Chronos" at the Glasmoog exhibition space in Cologne (May 2021). The hanging integrates many other photographs taken during the research process. They are part of a large mind map that deals theoretically with the research topics mentioned.